An der Fachtagung Educa26, die am 26. August 2026 im Zentrum Paul Klee in Bern stattfand, nahmen über 150 Vertreterinnen und Vertreter aus allen Sphären des digitalen Wandels in der Bildung teil, darunter: Akteurinnen und Akteure aus der Schulpraxis und der EdTech-Branche, Verantwortliche aus Bildungsverwaltung und -politik sowie Expertinnen und Experten für digitale Infrastrukturen. Die sechs Input-Referate von Fachpersonen lieferten wertvolle Einblicke und vertieften das Verständnis für die wichtigsten Themen. Die verschiedenen Atelier-Runden boten hingegen einen praxisnahen und interaktiven Zugang.
Toni Ritz, Direktor von Educa, eröffnete Educa26 mit einem Perspektivenwechsel: Um zu verstehen, wie der digitale Wandel die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen verändert, muss man systemisch und ganzheitlich denken. Es braucht eine Haltung, die den digitalen Wandel nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch, bildungspolitisch, sozial und ethisch betrachtet. So kann Bildung auch in einer fortschreitenden digitalen Transformation das Fundament einer widerstandsfähigen Gesellschaft bleiben. In diesem Sinne bedeutet «Schule mit EdTech entwickeln», dass die Technologie dem Menschen dienen soll – und nicht umgekehrt.
Engagierte Teilnehmende in den Ateliers.
Partnerschaften mit pädagogischer Vision als Grundlage
Der aktuelle digitale Bildungsraum ist von zahlreichen und manchmal stark unterschiedlichen Akteuren geprägt. Wie von Lead Researcher der European EdTech Alliance Antonia Clary unterstrichen, bringt jeder Akteur in diesem komplexen Beziehungsgeflecht seine eigenen Interessen und Perspektiven ein, was ein natürlicher und integraler Bestandteil des Systems ist. EdTech-Unternehmen entwickeln sich ständig weiter. So fördern sie Innovation und treiben die Entwicklung neuer Technologien voran. Anbieter von Dienstleistungen und Produkten sind bestrebt, auf dem stetig wachsenden Markt relevant zu bleiben und dabei die gesetzlichen Anforderungen sowie die Bedürfnisse des Lehrens und Lernens zu berücksichtigen. Gleichzeitig nutzen Schulen die neuen Möglichkeiten, die diese Anbieter bieten und sind dabei auch oft mit Herausforderungen konfrontiert. In diesem Zusammenhang stellt sich die wesentliche Frage: Wie lassen sich die Impulse privater Akteure mit dem öffentlichen Bildungsauftrag in Einklang bringen?
Gerade für die Bildungspraxis gilt: Die Pädagogik muss vor der Technologie kommen. So betonten die PICTS Melanie Schmid, Deborah Troxler und Wendy Vega, dass Bildungstechnologien kein Selbstzweck sein sollen, sondern Werkzeuge mit pädagogischen Zielen, die beim Lernen eingesetzt werden. Die Auseinandersetzung dieser verschiedenen Akteure zeigt, dass sie trotz unterschiedlicher Interessen dasselbe Ziel verfolgen: Einen innovativen, aber pädagogisch ausgerichteten digitalen Bildungsraum.
Die Referierenden beantworten Fragen aus dem Publikum.
Dieses Ziel erfordert eine Kultur der Vernetzung und des Austauschs. Die jeweiligen Rollen und die entsprechenden Verantwortungen müssen auf Kriterien basieren und explizit definiert werden. Durch Transparenz und Vertrauen über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg entsteht eine entscheidende Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit. Wie Felix Gille, Operative Leitung Datenökosysteme bei der Bundeskanzlei, zum Abschluss der Tagung feststellte, ist es nun notwendig, sich auf eine gemeinsame Vision zu einigen, um den Weg in die Zukunft zu ebnen.
Das neue Educa Dossier
Begleitend zu unserer Fachtagung haben wir im Juli den ersten Beitrag unseres neuen Dossiers «Schule mit EdTech entwickeln» veröffentlicht, um einen Überblick zum vielfältigen Themenfeld der EdTech zu bieten. Der erste Text beleuchtete eine Facette, die in der ausgeprägten Dynamik der Bildungstechnologien oft zu kurz kommt: Welche Rolle spielt eigentlich das Individuum?
Nach diesem ersten Überblick behandeln wir nun zwei weitere Schlüsselthemen detaillierter. Einerseits widmen wir uns dem Thema des Bildungssystems im Rahmen der Dynamiken des Schweizer EdTech-Markts: Wie hat er sich entwickelt, welche Besonderheiten weist er auf und was bedeutet das für die Rolle kantonaler Akteure im digitalen Bildungsraum? Andererseits werden wir eine der zentralen Herausforderungen beleuchten: das Spannungsfeld zwischen den Werten und Vorgaben der öffentlich-rechtlichen Bildung und dem wirtschaftlichen und organisatorischen Ökosystem rund um Technologien. Wir zeigen auf, mit welchen Handlungsansätzen Innovation in einem digitalen Bildungsraum entstehen kann, die den Werten und Vorgaben des öffentlich-rechtlichen Bildungssystems entspricht.