Digitale Identitäten sollen den Alltag im digitalen Bildungssystem sicherer machen, ihn aber auch unterstützen. Hinsichtlich der Unterstützung bedeutet dies, dass digitale Identitäten die Mobilität innerhalb und ausserhalb unterschiedlicher Bildungsstufen sicherstellen. Sie ermöglichen lebenslanges Lernen sowie den Zugriff auf und die Kontrolle über die persönlichen Bildungsidentitäten und -daten auf dem gesamten Bildungsweg. Die digitale Identität soll aber auch – wo immer möglich – das Recht auf digitale Selbstbestimmung wahren. Zudem muss die digitale Identität natürlich auch benutzerfreundlich sein.
Im Kontext des Identitätsmanagements stehen unterschiedliche Modelle digitaler Identitäten im Fokus, welche in der einen oder anderen Form für das Bildungssystem relevant sind. Je nach Modell ergeben sich bezüglich Sicherheit, Mobilität, digitale Selbstbestimmung und Benutzerfreundlichkeit aber unterschiedliche Herausforderungen.
Diese Modelle lassen sich zwischen zwei Extrempunkten verorten. Bei vollständig zentralisierten Identitäten haben Anwenderinnen und Anwender oftmals nur eingeschränkte Kontrolle über die eigenen Daten. Bei dezentralen Identitäten hingegen liegt die Kontrolle vollständig bei den Anwenderinnen und Anwendern, damit einhergehend jedoch auch die vollständige Verantwortung. Den Mittelweg gehen die sogenannten föderierten Identitäten, welche eine Balance zwischen Kontrolle, Sicherheit, Mobilität bieten.
Auf einen dezentral orientierten Ansatz baut die staatliche e-ID. Mit der zugrundliegenden Vertrauensinfrastruktur ergeben sich neue Rahmenbedingungen, welche mit dem Status Quo abzugleichen sind, um etwaige Zukunftsszenarien abzuleiten.
Diese technologischen Entwicklungen und Modelle bilden jedoch nur das Fundament. Es ist entscheidend zu beachten, dass der Diskurs rund um digitale Identitäten im Bildungsbereich zwar einen technischen Kern hat, aber klar ganzheitlich geführt werden muss. Denn digitale Identität ist gerade im Bildungsbereich kein abstraktes IT-Konzept, sondern betrifft Menschen in einer prägenden Phase: Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die Entwicklung der eigenen Identität auf einen geschützten und pädagogisch begleiteten Rahmen angewiesen. Damit weitet sich der Fokus fast zwangsläufig aus – weg von rein technischen Aspekten hin zu grundlegenden Fragen der Ethik und Pädagogik, bis hin zu praktischen Konsequenzen in Bereichen wie der Beschaffung.
Edulog - Der digitale Schlüssel für die Bildung
Ein Beispiel für ein föderiertes Identitätsmodell aus der schweizerischen Bildungspraxis ist Edulog. Die Föderation ermöglicht seit 2020 Schülerinnen und Schülern sowie Lehr- und Verwaltungspersonen der obligatorischen Schule und der Sekundarstufe II einen zentralen, pseudonymisierten Zugang zu Lernplattformen, Cloud-Diensten, Lehrmittelangeboten und Apps – ohne mehrfaches Anmelden. Mit Edulog erstellen Nutzerinnen und Nutzer einmalig ein Pseudonym. Dieses verwenden sie für alle angeschlossenen Online-Dienste. Kantone, Gemeinden oder Schulen als Identitätsanbieter stellen die Identitäten aus. Dienstleistungsanbieter ermöglichen den Zugang zu ihren Diensten über Edulog.
Edulog ist eine zentrale Massnahme der Digitalisierungsstrategie der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK). Die Fachagentur Educa betreibt die Geschäftsstelle von Edulog.