Die Vorbereitungen zur Fachtagung Educa25 waren längst angelaufen, als durch das Referendum gegen die überarbeitete Version der e-ID und die Abstimmung am 28. September 2025 eine öffentliche Debatte zur digitalen Identität zustande kam. Wir waren darauf bedacht, der politischen Aktualität wenige Wochen vor der Abstimmung nicht auszuweichen, die Tagung aber trotzdem auf die für die Bildung relevanten Perspektiven zu fokussieren.
Entsprechend beleuchteten wir gemeinsam mit Teilnehmenden aus Bildungspraxis, Forschung, Wirtschaft und Verwaltung, wie wir uns in der digitalen Welt definieren und wie digitale Identitäten im Bildungsraum entstehen und genutzt werden. Der Plural wurde hier im Zuge der Tagungsvorbereitung zunehmend zum Programm: Es genügt nicht, einfach «die digitale Identität» zu reflektieren. Wir alle bewegen uns zunehmend mit einer Vielzahl digitaler Identitäten in unterschiedlichen Kontexten. Das gilt besonders auch für Kinder und Jugendliche innerhalb und ausserhalb der bildungsbezogenen Datenräume.
Digitale Identitäten sind heute weit mehr als technische Hilfsmittel, welche den Zugang zu Ressourcen ermöglichen; sie erschliessen Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit über das eigene Ich, mit entsprechenden Chancen und Risiken.
Wie definieren wir uns in der digitalen Welt? Wie entstehen heute und in Zukunft digitale Identitäten im Bildungsraum und wie werden sie genutzt? Dies sind einige der Fragen, die wir in einer Reihe von Videointerviews zum Thema Digitale Identitäten behandeln.
Die Referentinnen und Referenten unserer Fachtagung Educa25 zeigen auf, welche Rolle die digitale Identität spielt, welche Relevanz sie ihr zuschreiben und ordnen sie im Kontext des Bildungsraums ein. Darüber hinaus erhalten Sie einen Überblick über die fünf praxisorientierten Ateliers.
Edulog
Edulog lässt sich klar in diesen thematischen Horizont einordnen. Die Föderation der Identitätsdienste im Bildungsraum Schweiz ist zentral, um die Kontrolle über personenbezogene Logindaten bei den zuständigen Instanzen zu sichern und sie im Sinne digitaler Selbstbestimmung zu nutzen. Mit der neuen Leistungsvereinbarung 2025–2028 ist Edulog aus der im Jahr 2023 verlängerten Aufbau- und Projektphase in den dauerhaften Betrieb übergegangen. Damit rückt die Steigerung der Zahl föderierter Identitäten und ihrer aktiven Nutzung ins Zentrum der Tätigkeit der Geschäftsstelle. Schwerpunkte liegen dabei auf dem Aufbau eines Beratungsangebots, das Schulen bei der Einführung, Integration und Nutzung von Edulog gezielt unterstützt sowie der Weiterentwicklung von Edulog entsprechend den aufgenommenen Bedürfnissen der Nutzenden. Die Neuausrichtung zeigte sich bereits auch quantitativ: Die Zahl der föderierten Identitäten stieg 2025 von rund 150’000 auf über 201’000, begleitet von einem markanten Anstieg der Nutzung. Mit den Kantonen Wallis und St. Gallen sind zudem zwei weitere Kantone vollständig der Föderation beigetreten – ein wichtiger Schritt für die Verankerung von Edulog im föderalen Bildungssystem.
Digitale Lehrmittel verändern den Unterricht. Damit sie sicher genutzt werden können, sorgt Edulog für Datensouveränität und Transparenz. Aus dem Zusammenspiel von Lehrmittelsteuerung und Edulog entsteht eine verlässliche, digitale Bildungslandschaft.
Edulog steht exemplarisch für den erfolgreichen Aufbau gemeinsamer Infrastrukturen im digitalen Bildungsraum Schweiz. Bislang bleibt die Nutzung aber hinter dem Potenzial von Edulog zurück. Der Weg von der technischen Lösung zur alltäglichen Gewohnheit ist die zentrale Herausforderung für die Jahre 2025 bis 2028.
Maturitätszeugnis als digitaler Nachweis
Zum Jahresbeginn erhielten wir die Zusage der digitalen Verwaltung Schweiz (DVS), dass unsere Projekteingabe «Maturitätszeugnis als digitaler Nachweis» als erstes DVS-Innovationsprojekt im öffentlich-rechtlichen Bildungssystem ausgewählt wurde. Gemeinsam mit Switch, der EPFL und den Kantonen Neuenburg sowie Freiburg setzten wir das Projekt um. Der daraus resultierende Prototyp ermöglicht einen schnellen Einstieg in die Thematik und zeigt an verschiedenen Schlüsselstellen die Vorteile von digitalen Nachweisen erlebbar auf. Mit diesem vielschichtigen Projekt können wir aufzeigen, dass das Bildungssystem mit seiner Vielzahl an Nachweisen ein idealer Anwendungsort für die nationale Vertrauensinfrastruktur rund um die e-ID ist. Durch den modularen Aufbau kann der Prototyp auf andere Anwendungsfälle im Bildungssystem angepasst werden, unabhängig davon, aus welcher Bildungsstufe oder aus welcher föderalen Perspektive ein Anwendungsfall angeschaut wird.
Neben den vertikalen ist auch die horizontale Perspektive in Bezug auf digitale Nachweise essenziell. Das Bildungssystem und die darin erstellten Nachweise sollen auch über den Bildungsdatenraum hinaus anschlussfähig sein. Wir stellten durch die Teilnahme in Gremien und an Anlässen sicher, dass das Bildungssystem sichtbar und anschlussfähig ist sowie als Innovator wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang ist die Teilnahme an den Partizipationsmeetings rund um die e-ID, welche die Bundeskanzlei organisiert, ebenso wichtig wie der Einsitz in der Community of Practice des Schweizerischen Datenraums. Auch wenn ein funktionierender Datenraum heute noch in ferner Zukunft liegt, so sind die Grundsteine heute zu legen. Nur wenn heutige Projekte bereits Anforderungen an die Interoperabilität berücksichtigen, sind sie später anschlussfähig.
Digitale Identität überspannt als Überbegriff ein breites Spektrum von Themen, die sowohl insgesamt als auch je einzeln für den digitalen Bildungsraum relevant sind.
Entsprechend haben wir diesen Themenbereich auf der Webseite dieses Jahr ebenfalls überarbeitet und damit den Weg geebnet für weitere inhaltliche Vertiefungen zum Thema.